Heide Römer

Heide Römer

geb. Steker
* 30.10.1941
† in Dortmund
Erstellt von Redaktion Trauerportal
Angelegt am 07.11.2014
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Gedenkkerze

Ingrid

Entzündet am 30.09.2019 um 14:38 Uhr

Liebe Heidi, ich habe letzten Donnerstag einen Vortrag über pflegebedürftige Angehörige gehört und da wurde erwähnt, daß Du die Alzheimer Gruppe mit Frau Goeschel gegründet hast. Wir gingen als Kinder zusammen zur Realschüler und nach so vielen Jahren denke ich gerne an Dich. Wir trafen uns ja auch 2 X im Jahr zum Klassentreffen. Das Du uns so schnell verlassen hast, tut uns allen sehr leid. 

Gedenkkerze

Papa

Entzündet am 27.12.2015 um 14:03 Uhr

Für Richard A.W. Deine Heike

Heide Römer

04.02.2015 um 11:47 Uhr von Redaktion
 
 

Wenn man so will, hatte Heide Römer in ihrem Leben drei Berufe. Einen relativ am Anfang, er sollte sie für all das, was kam, prägen. Einen für den Broterwerb, wichtig auch dieser. Und einen bis zum Lebensende – der, mit dem Heide Römer wohl am stärksten in Erinnerung bleiben wird.

Als Heide Steker wurde sie im Dudenstift in der Innenstadt geboren. Kriegsjahre, die die Familie, die Mutter Haushälterin in einer der Villen am Westfalendamm, der Vater bei Hoesch, immerhin überleben sollte. Der Vater starb dann doch am Krieg als Versehrter, 1955.

Heide war 14 Jahre alt, sie hatte noch einen sieben Jahre jüngeren Bruder. Und als ältere Schwester die Dinge zusammenzuhalten, das war also ihr erster Beruf. Verantwortung übernehmen, nach der Volksschule die Schule verlassen, es ging um die Versorgung der Familie. Es war kein Platz für den Elfenbeinturm. 1959 die Ausbildung bei Hörgeräte Geers zur Sekretärin, damals ein Betrieb in den Anfängen, heute ein Unternehmen mit rund 2000 Mitarbeitern an mehr als 760 Standorten in Europa.

Organisieren, praktisch sein, im Leben stehen, das konnte sie, auch wenn das Leben Kanten hat. Jeans zum Beispiel, heute nur ein Stoff von vielen, damals, im Büro getragen, ein Affront. Jeans, musste Heide lernen, trug man nicht im Büro, zumindest nicht während der Ausbildung. Wenn auch Jeans nicht gingen, so gab es bei Geers etwas anderes: Käthe Geers, Firmenpatriarchin, auch so eine, die mit Herz und Verstand den Laden zusammenhielt, die sich kümmerte, ein Vorbild wohl für Heide. Auch wenn das erst später zum Tragen kam.

Denn erst war da ja mal ein Leben zu leben. Andere Menschen, wenn sie denn menschlich gefielen, hatte Heide gerne um sich. Freundschaften hielten bei ihr ein Leben lang, gemeinsam feiern und auch ausgehen – so war das damals und es gab in Dortmund das „Forum“ in der Nähe der Reinoldikirche. Dort trafen sich die jungen Leute und die gut aussehende Heide 1963 Willi. Willi Römer, Lokalreporter, Menschenfreund, Kettenraucher, er sollte es werden. 1964 der Sohn geboren, das Leben meinte es gut im Wirtschaftswunderland, im Sommer immer drei Wochen nach Italien, sonst Arbeit, Familie, Freunde, Karneval, Kegeln. In ungefähr dieser Reihenfolge.

Im Jahr 1984 eine Wende im Leben, die sich wie so oft erst unmerklich ankündigte: Bei Heides Mutter Marie, im Norden, in der Scharnhorststraße, gab es die ersten kleinen Störungen, die keiner, der sie nicht kennt, zunächst bemerkt.

Erst war das Essen nicht zur gewohnten Zeit fertig, dann waren auf einmal überall Zettel mit Dingen darauf, die zu tun waren. 12.30 Uhr: Kartoffeln anstellen. Zettel als Versuche, ein Leben in der Normalität zu halten. Gegen Alzheimer.

Unsere Mutter kommt nicht ins Heim, sagt man. Reflex, doch das, was kommt, macht Angehörige fertig. Nachts laufen die Patienten los, drei Kleider übereinander an, Wesensveränderung, Unruhe. Ein Verfall, dem man bei der Arbeit zuschauen kann. Und nirgends Hilfe. Kein Internet, keine Selbsthilfegruppe, keine Ahnung und viel Arbeit.

Die Mutter kam dann doch ins Heim und eine Selbsthilfegruppe auf die Welt. Begründet von drei Frauen und einem Gedanken: Ein Treffen am Donnerstag, der damals noch der lange Donnerstag war, Alzheimerpatienten unter sich und betreut und für die Angehörigen ein Moment, um durchzuschnaufen. Einmal, und wenn nur für ein paar Stunden, für sich sein. 1989 ging das damals los, es war die erste Gruppe ihrer Art.

Die erste Notiz in der Lokalzeitung, „Selbsthilfegruppe für Alzheimerkranke in Gründung“ und die Sorge, dass da keiner kommt und es keinen interessiert.

Falsche Gedanken, über 100 kamen, froh, einen Ort gefunden zu haben, wo man das versteht, was sie bewegt. Nichts erklären müssen, sondern verstanden werden. Ein Jahr später wurde daraus die Alzheimer-Gesellschaft. Der dritte Beruf. Wie die Jungfrau zum Kinde. Das Kind sollte wachsen.

Die Mutter von Heide Römer starb 1992, im gleichen Jahr starb Willi Römer, ein Lungenödem, es war kein gutes Jahr, aber es gab viel zu tun. Verantwortung hat man zu tragen. Ob mit 14 oder 62 Jahren, weiter, weiter, immer weiter. Der Job bei Geers und die Alzheimer-Gesellschaft im Anschluss.

Aus den betreuten Nachmittagen entwickelten sich: Gesprächskreise, Fachvorträge, betreute Urlaube, Unterstützung bei Behördengängen, Informationsbündelung, ökumenische Gottesdienste – dass das Krankheitsbild Alzheimer mittlerweile so bekannt ist, wie es ist, liegt auch an den Alzheimer-Gruppen, bundesweit gibt es heute etwa 500.

Preise folgten dann, Forschungsförderpreis hier, Elisabeth-Zilken-Preis der CDU dort, 2009 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Sie nahm es entgegen für die Gesellschaft. Getragen hat sie es nie.

Die Familie, der Bruder, der Sohn mit seiner Familie, die Enkeltochter, dann die Alzheimer-Gesellschaft, die Freunde, Bücher, genug zu tun – dann kam der Husten, Sommer 2013. Er blieb lange, zu lange, Untersuchung im Krankenhaus, erst kein Fund, dann doch. Chemo, Bestrahlung, guter Verlauf, keine Metastasen, aufatmen. Das Leben läuft doch weiter, denkt, hofft man. Ende Oktober 2014 dann morgens keine Luft mehr, ein Lungenflügel war eingefallen, Krankenhaus. Auch das wieder behoben, weiter, immer weiter. Die Entlassung war geplant für den nächsten Tag. In der Nacht davor tat das Herz seinen letzten Schlag.

Quelle: Ruhr Nachrichten, Ausgabe Dortmund, Sonntagsausgabe vom 07. Dezember 2014, Seite 21

 

 

 

Gedenkkerze

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Entzündet am 07.11.2014 um 09:09 Uhr

Ruhr Nachrichten

vom 07.11.2014
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